06 Oktober, 2013

Nächste Woche geht's zur Uni


Hier kommt wie angekündigt meine Kolumne für die liebe Josephine. Viel Spaß beim Lesen :)

Kann man nicht einfach mal ein Gefühl von Sicherheit haben, wenn man an die Zukunft denkt? Vor einem Jahr saß ich noch im Haus meiner Eltern auf dem Sofa und hab' gelassen meine Katze gestreichelt. Mir ging es gut. Ich hatte die Abiprüfungen hinter mir. Ich hatte zufällig einen coolen Ferienjob mit sympathischen Kollegen bekommen. Und auch sonst hatte ich einen Plan davon, was bei mir in dem nächsten Jahr alles passieren sollte. 

Wer die Bloggeraktion zum Thema Kindheitsträume und die aktuelle Wirklichkeit mitbekommen hat, weiß wie sehr ich mich aufs Studieren gefreut habe. Die Langfassung könnt ihr in diesem Post nachlesen, da merkt ihr auch wie europhorisch ich nach der bestandenen Kunstprüfung an der Pädagogischen Hochschule war. Die Kurzfassung kommt aber jetzt: 


Vor ein paar Jahren begann die Studienplatzsuche und mich hat es an die Hochschule der Medien nach Stuttgart gezogen. Ich habe mich in den Studiengang "Informationsdesign" verliebt, mit dem Professor gesprochen. Mit meinem Schnitt, 2,2, wird es eng einen Platz zu bekommen, das weiß ich. Ich soll ein sechsmonatiges Praktikum in der Medienbranche machen, falls ich direkt nach dem Abi eine Absage bekomme.

Mit der Absage hatte ich letztes Jahr nach den Prüfungen schon gerechnet, mit dem Doppeljahrgang in BaWü war das vorhersehbar. Mein Plan stand trotzdem: Ich hatte einen Praktikumsplatz bei einer Zeitung bekommen. Ich hätte zwei Wartesemester und eine Notenanhebung angerechnet bekommen. 

In der Zwischenzeit hatte ich mir meinen Plan B überlegt: Grundschullehramt. Das sollte mit 2,2 machbar sein. Immerhin hab' ich in der Schule eine Belobigung bekommen, denke ich mir. Ich nehme an der Kunstprüfung teil, habe eine stressige Vorbereitung hinter mir, weil ich gleichzeitig noch arbeiten muss, aber ich schaffe es und bekomme die Bescheinigung. Ich kann Kunst auf Lehramt studieren. 

Mittlerweile bin ich mit meinem Freund zusammengezogen. Ich bin ein total positiver Mensch und wohne jetzt zwischen Heilbronn und Stuttgart, damit ich später nicht so weit pendeln muss. Ich genieße meine letzten Arbeitswochen, schreibe die Bewerbungen und warte auf die Rückmeldungen.

Die erste Antwort kommt aus Stuttgart: "Wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen..." und dann war es für mich vorbei. Das Praktikum hat also nichts gebracht. Ein halbes stressiges Jahr hat also nichts bewirkt. Danke. 

Ein paar Tage später geht es mir wieder besser. Ich hab' dort tolle Menschen kennengelernt, mein Freund hat dank einem Kollegen von mir einen Job für sein Praxissemester gefunden und entwickelt gerade eine App, die es im Play Store geben wird. Ich bin verdammt stolz auf ihn und seine Leistung. Das Praktikum musste also sein. Allein deswegen. Aber mein Traum ein mal selbst Apps zu designen liegt erstmal auf Eis. 

Alle machen mir Hoffnung für die zweite Bewerbung. "Das wird schon klappen!" und ich gehe jeden Tag mehrmals zum Briefkasten und schaue nach. Irgendwann habe ich keine Lust mehr ihn zu öffnen und wieder nichts zu sehen, also gehe ich erst gar nicht raus. Abends kommt mein Freund nach Hause - mit dem langerwarteten Brief in der Hand. Ich bin aufgeregt und gespannt. 

Und dann wird mir der Boden unter den Füßen weggerissen. Schon wieder. Auch die bestandene Kunstprüfung wird mir erstmal nichts bringen. Ich bin notentechnisch auch für Grundschullehramt nicht gut genug.

In dieser Nacht bin ich nervlich am Ende. Ich wusste, was ich wollte, hatte mich um alles gekümmert und doch ging mein Plan nicht auf. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich die Welt für diese zwei Briefe hasste. Ich hatte Dauermigräne, ich konnte kaum etwas essen ohne Magenkrämpfe zu bekommen und ich war ständig kurz davor zu heulen.

Ich war mir so sicher. 

Jetzt sitze ich also hier in meiner eigenen Wohnung, mit zwei Absagen und einem Selbstbewusstsein, das ganz tief in der letzten Ecke des Kellers versteckt ist. Quatsch, das hab' ich längst überwunden!

Auch wenn ich jetzt fast zwei Stunden zur Uni fahren muss und weiter weg wohne als zuvor, ich lebe überglücklich mit meinem Freund in einer zwar nicht perfekten aber mit ganz viel Liebe gefüllten Wohnung und warte auf den Vorlesungsbeginn. Für Kunstgeschichte in Heidelberg. Ganz genau. In der coolsten Studentenstadt überhaupt! Und einen der interessantesten Studiengänge überhaupt und dazu noch Osteuropastudien. 

Man kann nicht alles planen, es funktioniert auch nicht alles so wie man es gewollt hat. Aber eines Tages wird man schon erfahren, warum es so und eben nicht wie gewünscht passiert ist. Vielleicht werde ich in ein paar Monaten überglücklich sein, dass sich meine Wünsche eben nicht erfüllt haben. Also, egal was kommt, macht einfach das Beste daraus. C'est la vie. Wer hätte gedacht, dass ich mich nach dem Abi auch im Studium wieder mit Palladio beschäftigen werde.

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